Gewalt tut Menschen weh! Gewalt verletzt!
  • Seinen Nächsten nicht zu lieben ist Gewalt.
  • Einem verirrten Kind den Weg nicht zu zeigen ist Gewalt.
  • Einem durstigen Kind kein Glas Wasser zu geben ist Gewalt.
  • Ein Volk hungern zu lassen ist Gewalt.
  • Gewalt nicht zu widerstehen ist auch Gewalt.
  • (Text des Plakats für den Weltgebetstag am 07.03.1997)

Das Ausleben solch einer Selbstsucht umfasst im täglichen Leben weit mehr als Schläge, Anschreien, Vergewaltigung oder Töten. Schädigendes Verhalten beginnt schon damit, sich über jemanden lustig zu machen, jemanden zu übersehen, auszugrenzen, eine Gerüchte- bildung gehässig zu ergänzen, etwas Negatives hämisch weiterzuerzählen, eine mögliche und dringliche Hilfeleistung zu unterlassen, jemanden 'offenen Auges' in eine Gefahr rennen zu lassen usw.   

Gewaltverhalten liegt immer dann vor, wenn ein Mensch durch das Verhalten eines anderen Menschen körperlich und / oder seelisch verletzt wird, in der Ehe, in der Familie, als Erwachsener oder als Kind.

Die Ursachen für ein Gewaltverhalten sind vielfältig und liegen zum einen in der Persönlichkeit eines Menschen und sind zum anderen in der Gesellschaft begründet.

Begünstigende Faktoren dabei sind der Medieneinfluss, familiäre Erziehungsbedingungen, der soziale Nahraum, der Gruppeneinfluss und die Wohn- und Lebensbedingungen.

Gewaltverhalten geht nicht selten einher mit sexueller Handlung bzw. Nötigung.

Opfer von Gewalt können unter anderem Demütigung, große Angst, Einschüchterung, Verlust des Selbstwertgefühles erleben.

Dieses komplexe Geschehen ist auch bei Mitgliedern der Neuapostolischen Kirche gegeben.

Nach etlichen Gesprächen/Diskussionen mit der Kirchenleitung und aufgrund eigener Wahr- nehmungen bzw. Berichten neuapostolischer Christen/Seelsorgern kann Nachstehendes gesagt werden:

  • Der Stammapostel fürchtet in unserer Kirche eine hohe Dunkelziffer zum sexuellen Gewalt-Geschehen.
  • Einige Bezirksapostel merken schriftlich an, dass wir in der Kirche auch zu Gewalttaten ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellen.
  • Der offizielle Leitfaden der NAK “Umgang mit sexuellen Übergriffen in der Seelsorge” ist den Seelsorgern und Funktionsträgern im deutschsprachigen Raum immer noch nicht flächendeckend bekannt - siehe unter “Fachliches” - Ergänzungen zum offiziellen NAKI-Leitfaden.
  • Bei der Informationsweitergabe durch die Kirchenleitung zu diesem Thema an die Glaubensgeschwister sind zwischenzeitlich regionale Nachbesserungen vorgenommen bzw. zum Teil geeignete Wege geebnet worden (z. B. Elternbriefe in den Gebietskirchen Süddeutschland, Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland sowie flächendeckende Elternabende in Norddeutschland zum Thema “Gewaltprävention mit externem Referenten [Polizist i. R.]). 
  • Eine nach dem Leitfaden geforderte umfassende Präventionsarbeit in den Gebiets- kirchen ist flächendeckend auch heute noch nicht wahrnehmbar bzw. unzureichend; bisherige Kommentare zu durchgeführten Präventionsabenden reichen von „geeignet“ bis „völlig ungeeignet“.
  • Die im Leitfaden genannten und in den Gebietskirchen installierten Prüf- und Berater- gremien sind lediglich für sexuelle Gewaltgeschehen vorgesehen und beinhalten einen Aufarbeitungsauftrag. Die Hilfe-Angebote des Vereins LINDD e. V. stehen somit nicht in Konkurrenz zur Gremiumsarbeit. Sie umfassen die Begleitung der Betroffenen in allen denkbaren Gewaltgeschehen.

Es sind also teilweise und regionale Entwicklungen zu beobachten, die wir mit Freude zur Kenntnis nehmen.

Und natürlich freuen wir uns über jeden Betroffenen, der Hilfe bei neuapostolischen Seel- sorgern oder eine der Hilfe-Einrichtungen gefunden hat.

Doch die Begleitung von Betroffenen macht bis auf den heutigen Tag deutlich: Für einen wesentlichen Anteil von Betroffenen ist die Hemmschwelle, sich einer Hilfe-Organisation außerhalb der Kirche anzuvertrauen, nicht überwindbar.

Wir haben ihre psychologische Begründung verstanden.

Und darum sind wir dem Rat eines Priesters gefolgt, der in einem Gottesdienst von christlicher Zivilcourage 1 sprach und sind mehr denn je für jeden da, der den Weg zu uns gefunden hat.

Ihre

Rainer Ballnus und Irene Döring

(Vorsitzende)

1Zivilcourage. Definitionsversuch nach Schulz von Thun: Zivilcourage ist der Mut zu wertgeleitetem Handeln (kommunikativ und materiell) in gesellschaftlichem Kontext unter sozialen Risikobedingungen.

Aktualisierte Fassung: Stand 12/2011